Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL)

Gefördert aus Mitteln des Landes Brandenburg, vertreten durch das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft Brandenburg.

Land Brandenburg

NeMoS Forum - Die Austauschplattform zur Moorschonenden Bewirtschaftung

Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Ideen zum Thema Bewirtschaftung von Moorflächen, Moorschonender Stauhaltung oder ähnlichem oder Ihre Erfahrungen anderen Landwirten und Interessierten zur Verfügung stellen möchten, dann nehmen Sie bitte mit dem Netzwerk Kontakt auf. Wir beantworten gerne Ihre Fragen und bringen Ihre Ideen in ein breites Netzwerk von Landnutzern, Wissenschaftlern und Fördermittelgebern ein.

Ansprechpartnerin: Christin Dammann
Telefon: +49 (0)3334-657-314
E-Mail: Christin.Dammann[at]hnee.de


FAQ - Fragen und Antworten aus dem Netzwerk

Im Folgenden haben wir eine Auswahl an Fragen und Antworten für Sie zusammen gestellt.

Wenn Sie Fragen haben, die hier noch nicht beanwortet wurden, dann zögern sie bitte nicht mit uns in Kontakt zu treten.

Wie entstehen Moore?

Moore entstehen in Gebieten permanenter Wassersättigung und durch das Vorkommen einer typischen torfbildenden Vegetation, wie z.B. den Torf- oder Braunmoosen, Seggen sowie Erlen und Birken. Durch den hohen Wasserstand tritt ein Mangel an Sauerstoff auf, der dazu führt, dass die Biomasse der torfbildenden Vegetation konserviert wird. Der Biomassezuwachs der Pflanzen ist höher als die Abbaurate, wodurch sich das organische Material - der Torf - ansammelt (Torfakkumulation).

Welche Eigenschaften haben entwässerte Moorböden ?

Im Ergebnis haben die durch Entwässerung entstandenen sekundären Böden folgende Eigenschaften:

Wasserverhalten

  • Mit zunehmender Bodendegradierung nimmt das Wasserspeichervermögen und die Wasserleitfähigkeit ab. Vermulmte Horizonte im Oberboden sind wasserabweisend (ähnlich Kohlestaub) und somit anfällig für Winderosion. Schrumpfungsrisse im Unterboden wirken wie Drainagen, die Niederschläge ohne große Befeuchtung in tiefere Bodenschichten abführen.
  • Das Befahren des Moorgrünlandes mit schwerem Gerät verstärkt zusätzlich den Staueffekt. Das zersetzte Material wird durch die Last komprimiert und wirkt wie eine abdichtende Schicht, durch die Wasser schwer aufsteigen oder abfließen kann. Im Ergebnis ist die Befahrbarkeit eingeschränkt, es bilden sich tiefe Spurrinnen und es kommt zu Ernteausfällen.

Nährstofffreisetzung und Treibhausgasemissionen

  • Durch die Torfmineralisierung entstehen Mineralien, die den Pflanzen zur Verfügung stehen oder über die Gräben und Vorfluter in die Gewässer gelangen, wodurch sich die Wasserqualität erheblich verschlechtert.
  • Die Humifizierung werden in pflanzenverfügbarer Form in Form von Gasen, v.a. als Kohlendioxid und Lachgas freigesetzt.

Pflanzenbestände

  • Eutrophierung
  • Ertragsstabilität

Für welche Flächen kann die Förderung nach AUKM Moorschonende Stauhaltung beantragt werden?

Förderfähig sind Moorgrünlandflächen, deren Feldblock mindestens 50 % Moor- oder Anmoorböden ausweist und bei denen der Wasserstand 10 cm unter der mittleren Geländeoberfläche eingestaut werden kann, nachgewiesen durch eine feste Markierung der Stauhöhe am Bauwerk (z. B. Bolzen, Stift, Schiene). Dabei müssen mindestens 50 % der Flächen vom Einstau begünstigt sein.

Es bedarf einer wasserrechtlichen Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde sowie der Zustimmung der umliegenden Flächeneigentümer*innen. Zur Prüfung, ob Flächen förderfähig sind, übernimmt der Technische Dienstleister UBB kostenlos die Ersterfassung, Datenprüfung, hydrologische Abschätzung, Vermessungsleistungen und Beantragung der wasserrechtlichen Erlaubnis.

Der Förderantrag ist bis spätestens zum 31.12. des Jahres vor Verpflichtungsbeginn beim für Landwirtschaft zuständigen Amt des Landkreises/der kreisfreien Stadt einzureichen. Der Zahlungsantrag ist als Bestandteil des jährlichen Agrarförderantrages bis zum 15.05. des Folgejahres einzureichen. Siehe Förderbedingungen des LfUs: https://lfu.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.427130.de

Wie hoch ist die finanzielle Förderung?

Im Rahmen der KULAP Förderung erhält der Landnutzer/die Landnutzerin 387€ je Hektar und Jahr zusätzlich zu den Mitteln der ersten Säule (Basisprämie, Umverteilungsprämie [Prämie für Flächen bis zu 500 ha], Greeningprämie).

Eine finanzielle Besserstellung ökologisch wirtschaftender Betriebe erfolgt nicht. Die Kombination mit anderen KULAP Programmen ist nicht zulässig. Ebenfalls erfolgt keine Zuwendung bei gleichzeitiger Förderung der Flächen über den Vertragsnaturschutz, LEADER oder aus Mitteln der Richtlinie zur Förderung des natürlichen Erbes und des Umweltbewusstseins. (Moorschonende Stauhaltung in der KULAP Richtlinie [S. 13f] )

Was passiert mit Mooren, wenn das Wasser fehlt?

Durch Entwässerung der Moore werden verschiedene Prozesse ausgelöst.

  1. Sackung

    Darunter versteht man den Höhenverlust der Mooroberfläche, der zusammen mit der Schrumpfung und Mineralisierung einhergeht. Im wassergesättigten Moor ist das Torfmaterial sehr locker gelagert. Das Ableiten von Wasser führt zum Entleeren der Poren und zur mechanisch bedingten Sackung des Torfes, wobei die die Bodendichte zunimmt. •
  2. Schrumpfung

    Das Zusammenziehen der Torfe und Mudden bei Wasserverlust wird als Schrumpfung bezeichnet. Dieser Prozess ist ab einem gewissen Grad der Austrocknung irreversibel, wobei sich Risse und Klüfte unterschiedlicher Breite bilden. Durch die Senkungs- und Quellprozesse bildet sich ein typisches Gefüge mit groben Bodenbestandteilen im Unterboden (Segregatgefüge). •
  3. Mineralisierung und Humifizierung

    Durch die Belüftung beginnen oxidative und mikrobielle sekundäre Bodenab- und Bodenaufbauprozesse. Bei der Humifizierung werden schwer abbaubare organische Reststoffe in Huminsäuren umgebaut. Dadurch kommt es zur Umwandlung der ursprünglichen Torfsubstanz mit erkennbaren Pflanzenreste hin zu einer gleichförmigen Grundmasse ohne Pflanzenmaterial. Die Mineralisierung umfasst den Abbau organischen Materials zu einfachen anorganischen Substanzen (Mineralien, Kohlendioxid, Wasser). Es kommt zur Verlagerung und Auswaschung von Stoffen in tiefere Bodenschichten und zur Emission von Kohlendioxid und Lachgas.
  4. Horizontbildung

    Die beschriebenen Prozesse führen zu typischen Gefügearten: vererdete oder vermulmte Oberböden, die durch kleine krümelähnliche Bestandteile charakterisiert werden und die typischen durch Schrumpfung entstandenen Segregatgefüge im Unterboden. In Abhängigkeit der Standortbedingungen, Intensität der Entwässerung sowie der Nutzungsart kann es zu 5-25 mm/Jahr Höhenverlust kommen. Dagegen werden in naturnahen Mooren nur etwa 1 mm/Jahr Torf akkumuliert.

LUTHARDT, V. & ZEITZ, J. (2014): Moore in Brandenburg und Berlin. S. 113-122.

Werden aus frischem Moorgrünland mehr Treibhausgase emittiert als aus nassem Grünland und wie ist das Verhältnis zu naturnahen Mooren?

Stark entwässerte Moorgrünländer haben ein deutlich erhöhtes Treibhausgaspotenzial (GWP - global warming potential) als Standorte mit höheren Moorwasserständen. Messungen zeigen, dass frisches Moorgrünland mit Wasserständen von 45 cm bis 80 cm unter Flur ca. 31,5 t CO2-Äquivalente/ha/Jahr emittieren, wohingegen nasses Moorgrünland (20 cm über bis 20 cm unter Flur) sogar CO2 speichert (-4 t CO2-Äqu./ha/Jahr). Bei den naturnahen Mooren belaufen sich die Emissionen in Abhängigkeit von Vegetation, Klima und Wasserstufe. Langfristig legen sie jedoch Kohlenstoff fest (REICHELT 2015).

Wie gehe ich bei der Beantragung der Moorschonenden Stauhaltung vor?

Zunächst ist ein Förderantrag bei den zuständigen Landwirtschaftsämtern bis zum 31.12. einzureichen. Dazu können die Landwirtschaftsberatungen bzw. der technische Dienstleister für die Moorschonende Stauhaltung UBB Dr. Klaus Möller GmbH befragt werden.

Nach Prüfung der Anträge (etwa Ende Januar) werden diese von den Landwirtschaftsämtern an UBB weitergeleitet, deren Mitarbeiter die Förderfähigkeit der beantragten Flächen vor Ort untersuchen und einen Nutzungsplan erstellen. Der Nutzungsplan für die befristete wasserrechtliche Erlaubnis über die Dauer der Förderung wird vom Dienstleister an die Untere Wasserbehörde weitergegeben, die ihre Stellungnahme dazu verfasst. Die Entscheidung der Förderfähigkeit wird anschließend an die zuständigen Landwirtschaftsbehörden übermittelt, die etwa im Mai die Auszahlungen in Auftrag geben und die Betriebe über die Förderung informieren.

Ablaufschema zur Beantragung

Wird angepasste Technik zur Bewirtschaftung von nassem Moorgrünland gefördert?

Im Rahmen der Moorschonenden Stauhaltung wird keine moorschonende Technik gefördert.

Dazu trat ab Januar 2019 die neue FörderrichtlinieMoorschutz und moorangepasste Technik - Moorschutzrichtlinie ProMoor“ in Kraft.

Informationen des LfU: https://lfu.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.427149.de

Infoveranstaltung zur Technik-Richtlinie: https://lfu.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.613638.de

Meine Stauanlagen sind veraltet. Was kann ich tun?

Zunächst wird geprüft, ob mit den vorhandenen Staubauwerken die festgelegte Stauhöhe erreicht werden kann. Diese Prüfung kann durch den Technischen Dienstleister UBB Dr. Klaus Möller GmbH kostenfrei erfolgen. Zum Teil reicht das Nachrüsten der Staue durch das Erneuern von Bohlen oder Führungsschienen aus.

Die Kosten zur Herstellung der Bauwerke werden vom Antragsteller/von der Antragstellerin selber getragen. Ein gesamtes Bauwerk inkl. Stahlbeton musste bisher noch nicht erneuert werden. Die Übernahme der Kosten ist davon abhängig, in wessen Verantwortungsbereich die Bauwerke liegen. Da dies bei kleineren Stauen oft juristisch ungeklärt ist, werden die Bauwerke i.d.R. nach Gewohnheitsrecht unterhalten. Das bedeutet, dass sich für manche Staue die Wasser- und Bodenverbände zuständig fühlen und für manche nicht. An diese Stelle treten dann die Flächennutzer.

 

 

Welcher Aufwand kommt auf mich zu, wenn ich bei der Evaluation teilnehme?

Alle Betriebe, die an der Evaluation teilnehmen, bekommen einen Fragebogen, der neben einem kurzen Betriebsspiegel, Fragen zur Nutzung von Moorgrünland und zur Förderung dieser Flächen umfasst. Bei diesem ersten Teil der Evaluation sind alle Betriebe angesprochen, die Moorgrünland bewirtschaften – unabhängig davon, ob sie die Moorschonende Stauhaltung beantragt haben.

Der zweite Teil der Evaluation befasst sich mit den Auswirkungen auf die Flächen und deren Bewirtschaftbarkeit. Dazu werden Vegetationskartierungen zur Charakterisierung der Standorte sowie Oberbodenansprachen zur Bestimmung des Degradierungsgrads von uns durchgeführt. Der Aufwand beläuft sich hier nur auf die Abstimmungen zur Begehung der Flächen und der Beantwortung eventueller Rückfragen zu den einzelnen Flächen und Staubauwerken.

Welchen Nutzen habe ich vom Netzwerk?

Im Netzwerk werden Sie auf die neusten Entwicklungen zum Thema Moorschutzförderung und ihre Akteure hingewiesen.

Aktuelle Fragen zur Moorbewirtschaftung können gemeinsam mit den Expert*innen aus Praxis und Forschung diskutiert werden und somit direkt in die weitere Qualifizierung der AUKM eingehen. Der gegenseitige Austausch unterstützt die Bewirtschaftung nasser Standorte und trägt maßgeblich zum Klima- und Ressourcenschutz bei.

Darüber hinaus stehen allen Beteiligten die Evaluationsergebnisse der AUKM sowie die Handlungsempfehlungen für die Bewirtschaftung nasser Moore zur Verfügung. Die durch Feldarbeit untersuchten Betriebe erhalten die ausführlichen Analysen der Vegetations- und Oberbodenbestimmungen sowie die Pegelgänge ihrer Flächen.

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