Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL)

Gefördert aus Mitteln des Landes Brandenburg, vertreten durch das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft Brandenburg.

Land Brandenburg

Wasserrückhalt erforderlich – Agrarumweltmaßnahme moorschonende Stauhaltung vorgestellt

26.10.2016

Gut 70 Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Naturschutz, Verwaltung und der Forschung diskutierten am 14. Oktober verschiedene Optionen zur Moornutzung in Brandenburg. Ins heimelige Naturparkzentrum Nuthe-Nieplitz, das zum Teil mit Wohnzimmercharme aufwartet, hatten DVL und das Greifswald Moor Centrum (GMC) gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) eingeladen. Dass der Handlungsdruck wächst, zeigte sich sowohl in den einzelnen Vorträgen als auch in verschiedenen Diskussionskreisen.

„Moorböden wurden durch Entwässerung stark verändert und können nicht mehr genügend Wasser speichern“, so Prof. Dr. Jutta Zeitz von der Humboldt Universität zu Berlin. „Die Verdunstung ist stärker als die Wassernachlieferung, so dass die Wasserstände im Sommer tief absinken. Die Wasserbewegung im Torfkörper ist zudem stark eingeschränkt, es kommt oberflächlich zu Austrocknung. Nach Starkregen tritt vielerorts Stauwasser auf“, meint Christian Schröder vom Greifswald Moor Centrum. Angepasste Nutzungsmöglichkeiten für den jeweiligen Niedermoorstandort stellte Prof. Dr. Vera Luthardt von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung, Eberswalde vor. Mit Hilfe des webbasierten „Entscheidungsunterstützungssystem zur torferhaltenden Moornutzung auf organischen Standorten (www.dss-torbos.de)“ werden Landnutzer*innen nach Abfrage von Informationen über den Standort alternative Nutzungsoptionen vorgeschlagen.

Verschiedene angepasste Nutzungsformen wurden im Anschluss von Expertinnen und Experten angesprochen. Der Anbau von Schilf könnte laut Sabine Wichmann von der Universität in Greifswald eine echte Alternative sein, sofern dieser als landwirtschaftliche Nutzung anerkannt würde. Für Tobias Dahms vom GMC bietet die Produktion von Rohstoffen für die stoffliche Verwertung die größten wirtschaftlichen Perspektiven. Er stellte das Heizwerk Malchin vor, in dem Ludwig Bork von der Agrotherm GmbH bereits seit 2014 Landschaftspflegeheu für die Gewinnung von Wärme verfeuert (www.niedermoor-nutzen.de). Helmuth Querhammer gab anschließend anschauliche Einblicke, wie sich nasse Moorstandorte mit Wasserbüffeln pflegen lassen. Zudem ist das Fleisch nicht nur sehr gesund, „sondern hat definitiv seine Liebhaber“, so Helmut Querhammer, der in Berlin-Spandau und Umgebung seit vielen Jahren Galloways und Wasserbüffel hält.

Wie verschiedene Moornutzungsarten vom Land gefördert werden können, präsentierten Dr. Lukas Landgraf und Udo List vom Landesamt für Umwelt Brandenburg. Speziell das völlig neue und in der EU bisher einzigartige Förderinstrument der Landesregierung moorschonende Stauhaltung wurde vorgestellt. Diese AUKM können brandenburgische Landwirtschaftsbetriebe innerhalb von KULAP anwählen und bekommen sie mit 387 € pro ha und Jahr honoriert. Der Wasserstand wird im Winter an der Staueinrichtung auf 10 cm unter der mittleren Geländehöhe des Schlages eingestellt, vom 1. Juni bis 15.Oktober ist eine Absenkung der Stauhöhe um 20 cm möglich. Die klimaschädigende Wirkung entwässerter Moor- und Anmoorböden soll mit dieser Förderung gering gehalten oder verringert werden. Bei Wasserständen von 10 bis 30 cm unter Flur kann der Verlust von Torf- und Antorfsubstanz gebremst bzw. teilweise gestoppt werden.

Bei der anschließenden Exkursion wurde das genaue Vorgehen erläutert. Jürgen Frenzel von der Agrar GbR Wittbrietzen hat in diesem Jahr für seine Niedermoorfläche auf dem Agrarantrag die moorschonende Stauhaltung angekreuzt. Ein/e vom Land bezahlter technische/r Dienstleister*in unterstützt ihn dabei bei der Feststellung der erforderlichen Stauhöhe am installierten Stauwerk und bei der Beantragung der hierfür erforderlichen wasserrechtlichen Genehmigung bei der Unteren Wasserbehörde. „Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist nicht nur eine Anreizfinanzierung von klimaschützenden Maßnahmen wichtig, sondern auch die Beratung des für sie passenden Förderantrags. Förderprogramme, die nicht auf die Fläche gebracht werden, können schnell verpuffen. Unsere Landschaftspflegeverbände (LPV) bieten sich hier als verlässliche Ansprechpartner an“, so Linda Rehmer von der DVL-Koordinierungsstelle Brandenburg/Berlin. Das in der Region vorhandene Wissen ist auch innerhalb der Landschaftspflegeverbände gut verteilt. Sowohl Herr Frenzel und der Naturpark Nuthe-Nieplitz als auch die Hälfte der vortragenden Expert*innen sind in LPV organisiert.

Die Veranstaltung wurde mit Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert.

Ansprechpersonen: Linda Rehmer (DVL-Koordinierungsstelle Brandenburg/Berlin), Christian Schröder (GMC) und Dr. Lukas Landgraf (LfU)

weitere Infos: www.moore.brandenburg.de

Artikel in der Bauernzeitung

Vorträge der Tagung:

"Bewirtschaftung von Moorstandorten" - Prof. Dr. Jutta Zeitz, Humboldt Universität zu Berlin

"DSS-TORBOS" - Prof. Dr. Vera Luthardt, Hochschule für Nachhalitige Entwicklung, Eberswalde

"Paludikultur - Wo liegt der Unterschied?" - Christian Schröder, Greifswald Moor Centrum

"Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Paludikulturen" - Sabine Wichmann, Universität Greifswald

"Beweidung mit Wasserbüffeln" - Helmut Querhammer, Landwirt "Döberitzer Heide-Galloways"

"Thermische Nutzung von Rieden/Röhrichten" - Tobias Dahms, Greifswald Moor Centrum

"AUKM Moorschonende Stauhaltung" - Dr. Lukas Landgraf, Landesamt für Umwelt Brandenburg

"1 Jahr KULAP-Programm Moorschonende Stauhaltung"- Udo List, Landesamt für Umwelt Brandenburghttp://www.lpv.de/?file:4096

 

 

 

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Bio-Landwirt Helmut Querhammer zur Haltung von Wasserbüffeln, Foto: Linda Rehmer

Prof. Dr. Jutta Zeitz geht auf Besonderheiten des Moorstandortes ein, Foto: Tobias Dahms

Prof. Dr. Jutta Zeitz bei Erklärung des Bohrkerns, Foto: Linda Rehmer

Dr. Lukas Landgraf erläutert Feinheiten der Staustufeneinstellung, Foto: Tobias Dahms

Landwirt Jürgen Frenzel mit staueinrichtender Maßnahme, Foto: Linda Rehmer

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